Leo Klaus, Inhaber der Klaus Schreinerei AG, verkauft Küchen und Einrichtungen mit Handskizzen – gezeichnet auf dem iPad. Im Interview erzählt der erfahrene Schreiner, warum Skizzen oft wirkungsvoller sind als CAD-Renderings und wie er mit wenigen Strichen Kunden begeistert.

Du hast vor über 25 Jahren an der HF Bürgenstock einen Lehrgang absolviert und besuchst seither regelmässig Seminare. Was motiviert dich dazu?
Mein Ziel ist es, im Leben immer besser zu werden. Dafür muss man etwas tun. Zudem schätze ich den regelmässigen Austausch mit anderen Schreinern.
Letztes Jahr hast du einen Kurs im Bereich «digitaler Skizzen» besucht. Was war der Auslöser?
Ich habe schon früher versucht, perspektivisch zu zeichnen. Das Prozedere war aufwendig und das Resultat überzeugte mich nie ganz. Irgendwann habe ich es wieder sein gelassen. Heute kann man auf dem iPad ein Raumfoto hinterlegen und direkt darüber zeichnen. Diese Methode war vielversprechend und ich wollte sie erlernen.
Hat das Skizzieren von Hand überhaupt noch eine Zukunft?
Eine Skizze bedeutet Handarbeit mit einer persönlichen Note. Der Kunde fühlt sich geehrt, wenn er so etwas bekommt. Dazu kommt: Wenn ich beim Kunden bin, etwas vor seinen Augen skizziere und erkläre, wie ich es meine, dann steigert das meine Glaubwürdigkeit.
Ihr arbeitet oft im Landhausstil. Da sind ohnehin nicht alle Elemente «ab Stange» verfügbar. War das eine zusätzliche Motivation für den Kurs?
Ja, das ist einer der Gründe, weshalb ich mehr skizzieren möchte. Bei einer Landhausküche mit speziellen Fronten ist es fast unmöglich, im CAD ein Profil sinnvoll darzustellen, ohne dieses schon langwierig ausdiskutiert zu haben.
Ein anderes Thema ist der Aufwand für solche Visualisierungen. Wie gehst du damit um?
Auf einer Handskizze genügt oft eine grobe Darstellung. Bei einem Schrank erkennt der Kunde zum Beispiel die Form, die Anzahl Türen und integrierte Füllungen. Das reicht oft schon aus. Die genauen Masse und Details sind in diesem Moment noch nicht nötig. Anders bei einer CAD-Visualisierung: Hier muss ich sämtliche Details bereits definiert haben.
Ich kann mir gut vorstellen, dass dies auch unnötige Diskussionen über Projekt-Details vereinfacht?
Absolut. Wenn ich eine Skizze zeichne, fragt niemand, wie ein Profil genau aussieht.
Trotzdem möchte der Kunde wohl einen Richtpreis wissen. Wie gehst du dabei vor?
Mein Ziel ist klar: Ich skizziere und verkaufe dann. Erst später öffne ich das CAD. Dazu ein Beispiel: Ich erstelle eine grobe Skizze einer Küche, für die ich rund zwei Stunden brauche – ohne bereits einen Griff oder Wasserhahn zu definieren. Danach erstelle ich eine Richtpreisofferte. Wenn es passt, machen wir weiter.
Funktioniert das in der Praxis?
Ja, so verkaufe ich ganze Landhausküchen.
Wie reagieren Kunden darauf?
Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Die Erfahrung zeigt, dass eine Skizze oft reicht, um einen Kunden abzuholen. Ein Kunde wollte seine Zeichnung sogar einrahmen.
Vielen Dank für diese Einblicke.
Verkaufsstark skizzieren mit iPad und Stift
Im Kurs «Kundenskizzen digital» an der HF Bürgenstock, dem Weiterbildungszentrum des VSSM, lernen Mitarbeitende aus Verkauf, AVOR, Projektleitung und Konstruktion ihre Ideen rasch und verständlich zu visualisieren. Mit praxisnahen Übungen und direkter Anwendung auf eigene Projekte entsteht Schritt für Schritt die Fähigkeit, Kundenbedürfnisse spontan in aussagekräftige Skizzen zu übersetzen. Dank iPad und Stift können Raumfotos überzeichnet und Entwürfe überzeugend präsentiert werden – schnell, flexibel und ohne CAD-Aufwand.
Der nächste Kurs startet am 18. März 2026 und umfasst drei Präsenztage sowie drei Online-Einheiten am Abend (ab 18:30 Uhr).
Mehr Infos und Anmeldung: https://is-kd.hfb.ch
